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Lottasbuecher

Lottas Buecher

Er meint, er wolle sie nicht stören...

...Sie liest und sagt: 'Die Realität stört immer.'

 

aus 'Der Fotograf' von John Katzenbach

eine berührende Familiengeschichte

Einfach unvergesslich: Roman - Rowan Coleman

Rowan Coleman: Einfach unvergesslich
Piper | 416 Seiten | Note | Erscheinungsjahr: 2014 | Teil einer Reihe: Nein

 

+ Einstieg
Der Einstieg in die Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Man wird langsam an Claires Geschichte herangeführt. Im Prolog des Buches erfährt der Leser wie Claire und Greg sich kennengelernt haben und wie es dazu kam, dass sie nun zusammen leben, verheiratet sind und gemeinsam eine kleine Tochter groß ziehen. Außerdem wird der Leser das erste Mal mit Claires Krankheit konfrontiert. Zu diesem Zeitpunkt wird noch nicht klar und deutlich ausgesprochen an welcher Krankheit Claire leidet, aber auf mich hat es schon da sehr bedrohlich gewirkt.

 

+ Schreibstil
Ich muss ehrlich sagen, dass ich sehr beeindruckt bin von diesem Schreibstil, denn ich glaube noch nie konnte ich mich so gut in einen an Alzheimer Demenz erkrankten Menschen hineinversetzen. Der Ich-Erzähler und dass die Geschichte im Präsens geschrieben ist, passt sehr gut zum Buch, da es gerade für dieses Thema sehr wichtig ist, sich in die einzelnen Personen hineinversetzen zu können. Das Buch wird aus der Sicht von Claire und ihrer Tochter Caitlin erzählt und beide haben ihren ganz eignen Stil und sich doch sehr ähnlich. Ich habe oftmals mit Claire mitgefiebert, dass sie sich merkt, wo sie ist, was sie machen wollte und ich hatte mit ihr Angst, als sie es nicht mehr wusste. Der Schreibstil von Rowan Coleman ist wirklich mitreißend.

 

+ Charaktere
Dieses Buch strotzt nur so vor starken Charakteren. Natürlich ist da als aller erstes Claire, die an Alzheimer Demenz erkrankt ist und mit dem Verfall ihres Körpers, ihrem Gedächtnisses kämpft. Claire hat auf mich vollkommen natürlich und vorstellbar gewirkt. Wie ich schon erwähnt habe, konnte ich mich in sie hineinversetzen, konnte mir ihre Situation vorstellen und wollte sie einfach nur in den Arm nehmen und ihr Sicherheit geben. Ein Glück haben das andere für mich erledigt, nämlich zum Beispiel Claires Tochter Caitlin, die eigentlich auch mit sich selber zu tun hat, denn es gibt etwas, was Caitlin sehr belastet. Trotzdem kümmert sie sich um ihre Mutter und versucht ihr das Leben zu erleichtern, was widerum gar nicht so leicht ist. Außerdem sind da noch Claires Mom, Greg und Esther. Greg und Esther haben eher Nebenrollen in diesem Buch, denn Claire scheint als erstes zu vergessen wer Greg ist und was er für sie bedeutet. Greg tut mir oftmals leid. Ich wollte mich gar nicht so richtig in ihn hineinversetzen, weil es mich sehr traurig gemacht hätte. Insgesamt waren alle Charaktere sehr gut und vorstellbar beschrieben, ich hatte ein gutes Bild von dieser Familie vor Augen.

 

+ Verlauf
Das Buch spielt in der Gegenwart und wird immer mal wieder durch Eintragungen aus dem Erinnerungsbuch aufgelockert. In das Erinnerungsbuch dürfen alle aus ihrer Familie hineinschreiben, oder auch in Esthers Fall malen. Alles was mit Erinnerungen an Claire zu tun hat, oder mit Claires Erinnerungen, im Fall ihrer eigenen Eintragungen, darf in dieses Buch geschrieben werden. Ich finde die Idee unglaublich schön, weil man so nochmal einen anderen Blick auf Claire und ihre Familie werfen kann. Außerdem lockert es die manchmal sehr anstrengende Gegenwart auf. Der Verlauf der Geschichte hat mir sehr gut gefallen, weil es immer wieder etwas neues gab, manchmal wiederholten sich Vorgänge und Gedanken, aber gerade das ist vollkommen normal bei einem Alzheimer Kranken. Ich konnte mich sehr gut in die Geschichte und ihr Geschehen hineinversetzen. Ich war wirklich gebannt und wollte wissen was als nächstes passieren wird.

 

+ Ende
Eigentlich mag ich keine offenen Ende. Das Buch endet mit einem Eintrag von Claires Mom und man erfährt nicht, was aus Claire geworden ist, wie viel Zeit sie noch mit ihren Liebsten verbringen konnte, was aus Caitlin wird und so weiter. Aber genau das finde ich bei diesem Buch gerade richtig. Es ist ein offenes Ende mit dem ich das Buch trotzdem wirklich gut beenden kann. Ich finde die Autorin hat sich auch genau den richtigen Moment ausgesucht um es zu beenden.

 

Zitate

* "Was ist passiert?" Er sieht aus, als würde er sich amüsieren. ich habe Lust, mich ihm entgegenzulehnen, das man heißen, dass er magnetisch ist.

 

* Ich höre ihr dabei zu, wie sie Caitlin anruft. Nach der anfänglichen Begrüßung steht sie auf und geht mit dem Telefon hinaus. Ich sehe sie durchs Fenster unter einer Straßenlaterne stehen, die eine Hand am Ohr, die andere frei gestikulierend. Sie nickt, dann legt sie auf und atmet einmal kräftig durch, bevor sie wieder hereinkommt und sich an meinen Tisch setzt. "Sie kommt gleich", sagt sie. Sie wirkt so nett, dass ich mich gar nicht traue, sie zu fragen, von wem sie spricht."

 

* Ich habe Angst vor dem Tag, an dem ich vor ihr stehe und sie nicht weiß, wer ich bin. An dem sie vergessen hat, wozu ich eigentlich da bin, genau wie das Lenkrad im Auto. Doch als ich das Lehrerzimmer betrete, lächelt sie mich an. Sie hält einen großen Strauß Supermarktblumen im Arm. "Guck mal!" Fröhlich winkt sie mit den Blumen. "Duftdinger! Sind die nicht schön?" Ich frage mich, ob es ihr selbst auffällt, dass sie das Wort "Blumen" vergessen hat, sage aber nichts.

 

* "Ich glaube Liebe vergeht nicht. Liebe ist die wahre Erinnerung. Liebe ist das, was bleibt, wenn wir nicht mehr sind. Ich glaube, diese Gefühle sind viel echter, viel realer als unsere Körper und alles, was mit unseren Körpern schieflaufen kann. Das hier" - sie kneift sich in den Arm - "ist nur die Verpackung."

 

Bewertung: Note
Ich weiß gar nicht so richtig, was ich diesem Buch für eine Note geben soll. Einerseits hat die Geschichte mich wirklich berührt und ich habe selten etwas Vergleichbares gelesen, andererseits hat es meine Erwartungen nicht übertroffen. Es wurde mir genau das geboten, was ich von diesem Buch erwartet habe. Eine berührende, manchmal aufwühlende Geschichte über eine Frau mit Alzheimer Demenz und ihre Familie. Ich gebe dem Buch eine zwei plus. Ich würde dieses Buch alle Lesern empfehlen, die in ihrem Alltag mit dementen Menschen zu tun haben und allen, die sich für dieses Thema interessieren. Ich denke, man kann nur davon profitieren, dieses Buch zu lesen.

 

Kommentarfrage
Habt ihr schon einmal etwas mit an (Alzheimer-)Demenz erkrankten Menschen zu tun gehabt?

Ich arbeite in einem Altenheim in Bremen und habe jeden Tag etwas mit alten und manchmal auch dementen Menschen zu tun. Als ich mit diesem Job angefangen habe, dachte ich zuerst, dass alte Menschen nichts für mich sind, aber umso länger ich mit ihnen arbeite, umso lieber mache ich es. Ich bin keine Pflegekraft, sondern arbeite als Ergotherapeutin im Team der sozialen Betreuung mit und  kümmere mich um das psychische und emotionale Wohlbefinden der Bewohner. Dieses Buch bietet auch mir noch einmal eine ganz andere Perpektive.

Quelle: http://www.lottasbuecher.de/2014/12/rowan-coleman-einfach-unvergesslich.html