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Lottasbuecher

Lottas Buecher

Er meint, er wolle sie nicht stören...

...Sie liest und sagt: 'Die Realität stört immer.'

 

aus 'Der Fotograf' von John Katzenbach

sehr bewegend, sehr emotional, sehr gut

All unsere Träume - Julie Cohen

Mit eigenen Worten

Ben und Claire sind das perfekte Paar und sie lieben sich sehr, doch eines fehlt zum ihr vollkommenen Glück: ein Kind. Claires Eizellen wollen jedoch nicht mitmachen bei diesem Plan. Es treibt das Paar in Verzweiflung. Da kommt Romily ins Spiel, Bens beste Freundin, sie hat scheinbar die perfekte Lösung parat. Scheinbar, denn ihre Lösung stellt alles auf den Kopf.

 

Wirkung

Das Cover ist wirklich wunderschön! Ich liebe die Farbe sehr und finde das mit den Blumen unglaublich toll verziert. Auch wenn das Cover keinen direkten Bezug zum Titel hat, was ich ein bisschen schade finde, ist es wirklich toll anzusehen. Der Titel ist toll, weil er einen selber anregt an seine eigene Träume zu denken, zumindest war es bei mir so. Er passt sehr gut zum Inhalt des Buches und deswegen habe ich da gar nichts zu meckern.

 

Positives

Der Einstieg beginnt mit einem Brief an ein "liebes Kleines", die Schreiberin dieses Briefes ist uns zu diesem Zeitpunkt noch unbekannt und bleibt es auch in ca. den ersten 2 Dritteln des Buches. Ich fand diesen Einstieg sehr gelungen, weil man dadurch an das Thema herangeführt wird und sich erste Gedanken darüber machen kann. Als nächstes lernt man Claire in einer sehr besonderen Situation kennen. Dadurch wird man sofort mitten ins Geschehen geworfen. Das hat mir gut gefallen, weil man praktisch direkt an Brennpunkt der Geschichte war, ohne lange Vorreden. Den Schreibstil fand ich sehr gut und leicht zu lesen und obwohl ich den auktorialen Erzähler nicht bevorzuge, war er meiner Meinung für dieses Buch passend. Romily und Claire sind zwei sehr unterschiedliche Charaktere und ich kann vollkommen verstehen, warum Claire seine Frau ist und Romily seine beste Freundin. Ich denke mit diesen beiden Gegensätzen hat er sich selber einen guten Ausgleich geschaffen. Claire ist sehr ordentlich und hat genaue Vorstellungen von allem und jeden. Sie weiß was sie will und was sie nicht will und ist dabei trotzdem absolut sympathisch. Romily hingegen weiß eigentlich gar nicht wo ihr der Kopf steht und ich denke die meisten können sich in ihr wiedererkennen, ich zumindest konnte das. Sie ist chaotisch und macht das was ihr gerade in den Sinn kommt. Sie fühlt sich schlecht, wenn sie sich mit Claire vergleicht und das kann ich wirklich vollkommen verstehen. Auch sie ist mir sympathisch, aber irgendwie ein bisschen zu kindlich, ein bisschen zu naiv. Insgesamt sind die Charaktere meiner Meinung nach sehr gut beschrieben und größtenteils nachvollziehbar. Manchmal konnte ich Bens Reaktionen nicht so gut nachempfinden, das lag aber wahrscheinlich daran, dass ich mich am besten in Claire hineinversetzen konnte und somit irgendwie auf ihrer Seite stand. Ich habe mich während des Verlaufs nicht einmal gelangweilt und war vollkommen emotional involviert. Ich habe so gelitten an manchen Stellen, dass ich meinen Freund damit zu getextet habe, weil ich sonst wahrscheinlich implodiert wäre. Ich fand das Thema sehr aufwühlend. Heutzutage gibt es viele Methoden Kinder zu bekommen und diese ist wohl, meiner Meinung nach so ziemlich die Komplizierteste. Ich konnte mich so gut in Claire hineinversetzen und war immer zu hin- und hergerissen zwischen Dankbarkeit, Eifersucht, Wut, Freude und Trauer. Ich war berührt und deswegen hat mir dann auch das Ende alles in allem absolut gefallen. Es war genauso wie ich es mir gewünscht hatte, ohne dass es vorhersehbar war.

 

Negatives

Trotz dem auktorialen Erzähler hatte ich das Gefühl, dass ich mehr über Romily und Claire erfahren habe und Ben irgendwie ein bisschen hinter herunter gefallen ist. Er war mir nicht so nah wie die beiden Frauen. Das war ein bisschen schade, weil mich seine Gefühle ebenfalls interessiert hätten, meist waren die jedoch nicht so klar zu erkennen.

 

Zitat

"Aaah! Sieh nur! Eine Fauchschabe!" Claire zuckte zusammen und sah sich nach einer echten Schade um, bis ihr klar wurde, dass Posie nur spielte. "Die leben bloß in Madagaskar." Romily Stimme kam von der Tür. "Ich dachte, du bist in Peru." "Es ist ein Dorf auf Madagaskar, das Peru heißt", erwiderte Posie. "Gegen die Logik ist nicht anzukommen."

 

Bewertung

Note 1 {sehr gut}

Ich vergebe für dieses Buch eine eins, weil es mich wirklich überrascht hat. Ich fand das Thema zwar von Anfang an interessant, aber ich habe nicht gedacht, dass ich davon so mitgerissen werde und ich mich so in diese Geschichte hineinsteigere. Ich wurde diesmal wieder von quasi allem überzeugt und kann diese Note mit ruhigem Gewissen vergeben. Ich würde dieses Buch Lesern empfehlen, die gerne emotionale Geschichten lesen und sich mal mit dem Thema "Leihmutterschaft" auseinandersetzen wollen. Aber ich warne euch, das kann ziemlich aufwühlend sein.

Quelle: http://www.lottasbuecher.de/2014/05/julie-cohen-all-unsere-traume.html